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Samstag, 31. Juli 2010

"Das Zimmer"

An dieser Stelle zwischen Schlaflosigkeit und Träumen, fand ich mich selbst in einem Zimmer. Es hatte keine besonders charakteristischen Merkmale mit Ausnahme einer Wand, die über und über bedeckt war mit Karteikästen. So ähnlich wie jene, die man in Bibliotheken findet, die Buchtitel nach Autor oder Inhalt in alphabethischer Reihenfolge auflisten. Aber diese Karteikästen, die sich vom Fußboden bis zur Decke endlos in beide Richtungen erstreckten, hatten sehr unterschiedliche Beschriftungen.

Als ich mich der Wand näherte war das Erste, dass meinen Blick auf sich zog ein Karteikasten auf dem zu lesen war „Menschen die ich gern hatte“. Ich öffnete ihn und begann die Karten durchzugehen. Erschrocken schloss ich ihn wieder, weil ich bemerkt hatte, dass ich die Namen auf jeder einzelnen Karte kannte.

Und dann ohne dass es mir gesagt wurde, wusste ich genau wo ich war.
Dieses leblose Zimmer mit seinen kleinen Karteikästen war ein unfertiges Katalogsystem meines Lebens. Hier standen die Taten in jedem meiner Momente, groß und klein, in so einem Detail, mit dem mein Gedächtnis nicht mithalten konnte.

Ein Gefühl der Verwunderung und Neugier verbunden mit Entsetzen kam in mir hoch, als ich begann wahllos irgendwelche Karteikästen zu öffnen und ihren Inhalt zu erforschen. Einige erweckten Freude und schöne Erinnerungen; andere Schamgefühl und Reue so extrem, dass ich über meine Schulter schaute um sicher zu gehen, dass niemand zusah.
Eine Kartei die mit „Freunde“ betitelt war stand neben einer mit der Beschriftung „Freunde, die ich verraten hab“. Die Titel erstreckten sich von weltlichen bis hin zu total verrückten Inhalten. „Bücher, die ich gelesen habe“, „Lügen, die ich erzählt
hab“, „Trost, den ich gespendet hab“ und „Witze über die ich gelacht habe“. Manche waren unfassbar in ihrer Exaktheit: „Dinge, wegen denen ich meinen Bruder angeschrieen habe“.

Einige, über die ich nicht lachen konnte: „Dinge, die ich im Zorn tat“, „Dinge, die ich meinen Eltern unter dem Atem zugemurmelt hab“. Ich hörte nicht auf mich über die Inhalte zu wundern.
Oft waren da viel mehr Karten als ich erwartete.
Manchmal weniger als ich hoffte.

Ich war allein schon vom bloßen Umfang des Lebens, das ich bisher gelebt hatte, überwältigt.
Kann es möglich sein, dass ich in meinem 30 jährigen Leben die Zeit gehabt hatte diese Tausenden oder vielleicht sogar Millionen von Karten zu schreiben? Aber jede Karte bestätigte diese Wahrheit. Jede einzelne war in meiner Handschrift geschrieben, jede einzelne war mit meiner Unterschrift versehen.

Als ich die Kartei gekennzeichnet als „Lieder, die ich gehört habe“ zog, merkte ich, dass die Karteien größer wurden um den Inhalt aufnehmen zu können. Die Karten waren dicht gepackt und nach ein paar Metern hatte ich immer noch nicht das Ende der Kartei gefunden. Beschämt schloss ich sie wieder, nicht wegen der Qualität der Musik, sondern vielmehr deswegen, weil die Kartei die Zeitverschwendung repräsentierte die ich für das Musik hören aufgebracht hatte.

Als ich zur Kartei mit der Überschrift „Lustvolle Gedanken“ kam, fühlte ich einen Schauer durch meinen Körper laufen.
Ich öffnete die Kartei nur einen spaltbreit- ich wollte nicht wissen wie groß der tatsächliche Inhalt der Kartei war- und zog eine Karte raus. Der detaillierte Inhalt ließ mich erschaudern. Ich fühlte mich schlecht allein daran zu denken, dass ein solcher Moment aufgezeichnet worden war.

Eine nahezu animalische Wut überkam mich. Mein Hauptgedanke war: “Niemand darf diese Karten je zu Gesicht bekommen! Niemand darf jemals diesen Raum sehen! Ich muss alles zerstören!“

In verrückter Raserei zog ich ruckartig die Kartei raus. Die Größe des Inhalts interessierte mich nicht mehr. Ich musste die Kartei leeren und die Karten verbrennen. Aber als ich es an einem Ende packte und es gegen den Boden hämmerte, konnte ich keine
einzige Karte lösen. Verzweifelt zog ich an den Karten um dann aber zu bemerken, dass diese hart wie Eisen waren und sich nicht zerreißen ließen. Geschlagen und total hilflos legte ich die Kartei in das Ablagefach zurück.

Lehnte meine Stirn gegen die Wand und stieß einen Seufzer aus.
Und dann sah ich es.

Der Titel lautete „Menschen, denen ich etwas über Allah beigebracht habe“. Der Griff war heller als der von den anderen und neuer, fast ungebraucht. Ich zog am Griff und eine kleine Box, etwa 10 cm fiel mir in die Hände. Die Karten, die es beinhaltete ließen sich an einer Hand abzählen. Und dann kamen die Tränen. Ich begann zu schluchzen. Schluchzer, die so tief aus dem Inneren kamen, dass ein Schmerz in meinem Magen anfing und durch mich zog. Ich fiel auf meine Knie und weinte. Ich weinte aus Scham; ein überwältigendes Gefühl der Scham überkam mich für all das was ich bisher getan hatte.

Die Karteireihen wirbelten in meinen tränenüberströmten Augen.
Es darf nie und niemals jemand diesen Raum sehen.Ich muss ihn abschließen und den Schlüssel verstecken.

[Übersetzt aus dem Englischen; in Zusammenarbeit mit Schwester Firdevs]


Quelle: schams-wordpress

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