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Samstag, 11. Dezember 2010

Die Vorzüge des heiligen Monats Muharram und des Fastens am Tag von Aschura

Inhalt des Artikels:

Gepriesen sei Allah, Herr der Welten, und Friede und Segen seien auf unserem Propheten Muhammad, dem Siegel der Propheten, und auf seiner Familie und seinen Gefährten.

Allahs heiliger Monat Muharram ist ein gesegneter und wichtiger Monat. Er ist der erste Monat des Hijri-Kalenders und ist einer der vier heiligen Monate, über die Allah sagt: „Die Anzahl der Monate bei Allah beträgt zwölf Monate nach der Bestimmung Allahs seit dem Tag, als Er die Himmel und die Erde erschuf. Davon sind vier geheiligt (unverletzlich). Dies ist das rechte Gesetz. Darum tut euch darin nicht selbst Unrecht....“ [Koran - Sure 9:36]

Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Das Jahr hat zwölf Monate, von denen vier heilig sind, die drei aufeinander folgenden Monate Dhul Qi`da, Dhul Hijja und Muharram, und Rajab Mudar, welcher zwischen Jumaada und Scha`baan liegt.“ 

Muharram wurde so genannt, um seine Heiligkeit zu bekräftigen und da er ein gesegneter Monat (=muharram) ist. Allahs Worte „...Darum tut euch dar in nicht selbst Unrecht. ...“ bedeuten, dass das Sündigen in diesen Monaten noch schlimmer ist, als in den anderen Monaten

Es wurde berichtet, dass Ibn Abbaas sagte, dieser Satz Allahs gelte für jeden Monat, aber diese vier Monate wurden besonders hervorgehoben und geheiligt, so dass Sünden in diesen Monaten besonders schwer wiegen, während gute Taten größere Belohnung bringen.

Qataada sagte bezüglich dieses Satzes, dass Fehlverhalten während der heiligen Monate ernster und sündiger sei als zu irgendeiner anderen Zeit. Fehlverhalten ist immer eine ernste Sache, aber Allah gibt Seinen Befehlen das Gewicht nach Seinem Ermessen. Allah hat bestimmte Dinge Seiner Schöpfung besonders erwählt. Er hat unter den Engeln und unter den Menschen Botschafter erwählt. Von allem Gesagtem hat Er das Gedenken an Ihn auserwählt (Dhikr). Er erwählte von der Erde die Moscheen, von den Monaten den Ramadaan und die heiligen Monate, von den Tagen den Freitag und von den Nächten die Nacht der Bestimmung (Laylat-ul-Qadr). So würdigt, was Allah uns zu würdigen befohlen hat. Menschen mit Verstand und Weisheit würdigen, was Allah uns zu bewundern befohlen hat


Die Vorzüge vermehrten freiwilligen Fastens im Monat Muharram

Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: "Das beste Fasten nach dem Ramadaan ist das Fasten in Allahs Monat Muharram. “ 

Der Ausdruck `Allahs Monat` betont noch einmal die Wichtigkeit dieses Monats. Al-Qaari sagte: „ Offensichtlich ist damit der ganze Monat Muharram gemeint.“ Es ist aber bewiesen, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, niemals einen ganzen Monat lang gefastet hat, abgesehen vom Ramadaan. So soll dieser Hadith eher dazu auffordern, während des Monats Muharram öfter zu fasten als sonst, aber nicht während des gesamten Monats.

Es wird überliefert, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, am meisten im Monat Scha´baan gefastet hat. Deshalb ist es anzunehmen, dass die Offenbarung über den Wert des Monats Muharram erst kurz vor seinem Lebensende zu ihm kam, so dass er nicht mehr in der Lage war, in diesem Monat zu fasten


Allah erwählt Zeiten und Orte nach Seinem Willen

Al-`Izz ibn `Abd al-Salaam, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Zeiten und Orte können auf zweierlei Arten einen bevorzugten Rang haben, in weltlicher Hinsicht oder in religiöser / spiritueller Hinsicht. Bezüglich des Letzteren ist es so, dass Allah uns seine Großzügigkeit zukommen lässt, indem Er uns für gute Taten eine besonders große Belohnung zukommen lässt, wie zum Beispiel die besondere Belohnung für das Fasten im Ramadaan verglichen mit dem Fasten zu anderen Zeiten. Genauso ist es mit dem Fasten am Tag von Aschura, dessen Wert wir Allahs Großzügigkeit und Freundlichkeit gegenüber Seinen Dienern verdanken. ...“ 


Aschura in der Geschichte

Ibn `Abbas, Allahs Wohlgefallen auf ihm, sagte: „Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, kam nach Medina und sah die Juden am Tag von Aschura fasten. Er fragte: `Warum tut ihr das?` Sie antworteten: `Dies ist ein guter Tag, es ist der Tag, an dem Allah die Kinder Israels vor ihren Feinden rettete, deshalb fastete Musa an diesem Tag.` Er sagte: ` Wir haben mehr Anrecht auf Musa als ihr,` so fastete er an diesem Tag und wies die Muslime an, an diesem Tag zu fasten.“ 

In einem Bericht, den Muslim überlieferte, heißt es, die Juden sagten: „Dies ist ein großer Tag, an welchem Allah Musa und sein Volk gerettet hat und Pharao und dessen Volk ertrinken ließ.“ „Musa fastete an diesem Tag“, dazu heißt es in einem anderen Hadith, den Muslim überlieferte: „...aus Dankbarkeit gegenüber Allah, deshalb fasten wir an diesem Tag.“
 
In einer anderen Überlieferung von al-Bukhari heißt es: „...so fasten wir an diesem Tag um ihn zu würdigen.“
In einer von Imam Ahmad überlieferten Version steht zusätzlich: „Dies ist der Tag, an dem die Arche auf dem Berg Judi landete, so fastete Nuh an diesem Tag aus Dankbarkeit.“ „...und wies die Muslime an an diesem Tag zu fasten,“ heißt es in einem anderen Hadith, überliefert von al-Bukhari: „Er sagte zu seinen Gefährten: `Ihr habt mehr Anrecht auf Musa als sie, also fastet an jenem Tag. “

Das Fasten am Tag von Aschura war schon in der Zeit der Jaahilijja (Vorislam) bekannt, vor der Sendung des Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm. Es wird berichtet, dass A`ischa, Allahs Wohlgefallen auf ihr, sagte: „Die Leute der Jaahilijja fasteten gewöhnlich an diesem Tag...“

Al-Qurtubi sagte: „Vielleicht fasteten die Quraisch an jenem Tag aufgrund eines früheren Gesetzes, zum Beispiel das von Ibrahim, Allahs Friede auf ihm.“ 

Außerdem ist bekannt, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, schon in Mekka am Tag von Aschura gefastet hat, bevor er nach Medina ausgewandert ist. Als er nach Medina auswanderte, sah er die Juden diesen Tag feiern, er fragte sie nach dem Grund und sie antworteten wie in dem obigen Hadith beschrieben. Er wies die Muslime an, sich von den Juden zu unterscheiden, die den Tag als Feiertag gestalteten. Dies wird in dem Hadith von Abu Musa, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtet: „Für die Juden war der Tag von Aschura ein Feiertag. [nach einer Überlieferung von Muslim: der Tag von Aschura wurde von den Juden in Form eines Feiertages gewürdigt. Nach einem anderen Bericht, ebenfalls von Muslim überliefert: die Menschen von Khaybar (die Juden) gestalteten es als Feiertag und ihre Frauen trugen an jenem Tag ihren Schmuck und ihre Symbole] Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: `Ihr sollt an jenem Tag fasten.`“ 

Das Fasten am Tag von Aschura war ein Schritt im Prozess, das Fasten als vorgeschriebene Verpflichtung in den Islam einzuführen. Fasten erschien in drei Formen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, nach Medina kam, hielt er die Muslime dazu an, an drei Tagen jeden Monats zu fasten und am Tag von Aschura. Dann machte Allah das Fasten zur Verpflichtung, indem Er sagte: „...das Fasten ist euch vorgeschrieben...“ [Koran - Sure 2:183].

Die Verpflichtung wurde vom Fasten am Tag von Aschura auf das Fasten im Ramadaan übertragen. Dies ist ein Beweis aus dem Bereich des Usul al-Fiqh, dass es möglich ist eine leichtere Pflicht aufzuheben, indem sie durch eine schwerere ersetzt wird.

Bevor die Pflicht zum Fasten am Tag von Aschura aufgehoben wurde, war sie also eine wirkliche Pflicht. Das wird ganz deutlich aus der Anweisung Muhammads, Allahs Segen und Heil auf ihm. Sie wurde auch noch dadurch bestätigt, dass der Befehl, an diesem Tag zu fasten, eine allgemeine Anweisung und an alle Muslime gerichtet war. Eine weitere Bestätigung erhielt diese Pflicht dadurch, dass sogar Mütter angewiesen wurden, ihre Säuglinge an diesem Tag nicht zu stillen. Ibn Masud berichtet, dass das Fasten am Tag von Aschura aufgehoben wurde, als das Fasten im Ramadaan zur Pflicht wurde. Es war dananch keine Pflicht mehr, an diesem Tag zu fasten, aber es ist immer noch sehr wünschenswert (mustahabb).


Die Vorzüge des Fastens am Tag von Aschura


Die Vorzüge des Fastens am Tag von Aschura 
 Ibn `Abbaas, Allahs Wohlgefallen auf ihnen beiden, sagte: „Ich habe den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, an keinem anderen Tag so versessen aufs Fasten gesehen wie an diesem Tag, und er hat keinen Tag mehr bevorzugt als diesen Tag, den Tag von Aschura und diesen Monat, den Monat Ramadaan.“ 

Die Bedeutung dieses „versessen sein“ ist, dass er bestrebt war, an jenem Tag zu fasten, um die Belohnung dafür zu bekommen. Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: „Das Fasten am Tag von Aschura, so hoffe ich, wird Allah als Wiedergutmachung für das vergangene Jahr akzeptieren.“ 

Das ist Allahs Großzügigkeit: für einen gefasteten Tag vergibt Er uns die Sünden eines ganzen Jahres. Und Allah besitzt die größte Großzügigkeit.


Wann ist Aschura?

An-Nawawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Aschura und Tasu`a sind laut Büchern über die Arabische Sprache zwei verlängerte Namen, die Vokale werden lang ausgesprochen. Unsere Gefährten sagten: Aschura ist der zehnte Tag des Monats Muharram und Tasu`a ist der neunte Tag. Das ist unsere Meinung und die der Mehrheit der Gelehrten. Das geht aus dem Hadith offensichtlich hervor und so verstehen wir ihn. Uns so verstehen ihn auch üblicherweise die Sprachgelehrten.“
 
Aschura ist ein islamischer Name und war zur Zeit der Jahiliyya unbekannt

Ibn Qudaamah, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Aschura ist der zehnte Tag des Monats Muharram. Das ist die Meinung von Said ibn al- Musayyb und al-Hasan. Ibn Abbas berichtete: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, wies uns an, am Tag von Aschura zu fasten, dem zehnten Tag im Monat Muharram.“
 
Es wird berichtet, dass Ibn Abbas gesagt hat: der neunte, und dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, üblicherweise am Neunten fastete.  

`Ataa` berichtet, dass er gesagt habe: „Fastet den Neunten und den Zehnten und seid nicht wie die Juden.“ Auf dieser Grundlage können wir sagen, dass es sehr wünschenswert ist, am Neunten und am Zehnten zu fasten. Das sagen Ahmad und Ishaaq.

Dass es wünschenswert ist an Tasu`a und an Aschura zu fasten sagt auch Abd-Allah ibn Abbas, Allahs Wohlgefallen auf ihnen beiden: „Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, am Tag von Aschura fastete und die Muslime aufrief, es ebenfalls zu tun, sagten sie: `Oh Gesandter Allahs, es ist der Tag, den die Juden und die Christen würdigen.` Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, erwiderte: `Wenn ich das nächste Jahr noch erlebe, so Allah will, werden wir am neunten Tag fasten.` Aber es geschah, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, noch vor dem nächsten Jahr starb.“ 

Al-Schafi`i und seine Gefährten, Ahmad und Ishaaq, sagten: „Es ist wünschenswert an beiden Tagen, dem neunten und dem zehnten, zu fasten, weil der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, am Zehnten fastete und vorhatte, auch am Neunten zu fasten.“

So kann man sagen, dass es für das Aschura-Fasten verschiedene Grade gibt. Der geringste ist, nur am zehnten Tag zu fasten und der höchste ist, auch am neunten Tag zu fasten. Je mehr man im Muharram fastet, umso besser.


Gründe, warum es wünschenswert ist, auch am Tasu`a zu fasten

An-Nawawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Die Gelehrten – unsere Gefährten und andere – geben mehrere Gründe dafür an, dass das Fasten an Tasu`a wünschenswert ist

1)  Die Absicht sich von den Juden zu unterscheiden, die nur den zehnten Tag würdigen. Diese Meinung wurde von Ibn Abbas überliefert.

2) Die Absicht, dem Fasten von Aschura noch einen Tag hinzuzufügen, vergleichbar mit dem Verbot, allein an einem Freitag zu fasten, was al-Khatabi und andere anmerkten.

3) Um auf der sicheren Seite zu sein, dass man auch wirklich am zehnten Muharram fastet, falls es einen Irrtum bei der Mondsichtung am Monatsanfang gegeben hat und der Neunte in Wirklichkeit schon der Zehnte ist.“

Der stärkste dieser Gründe ist der, sich von den Leuten der Schrift zu unterscheiden. Scheik al-Islam ibn Taymiya, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, verbot das Nachahmen der Leute der Schrift in zahlreichen Hadithen, wie zum Beispiel mit der Aussage: `Wenn ich das nächste Jahr noch  erlebe, so Allah will, werden wir am neunten Tag fasten.`“ 

In seinem Kommentar zu diesem Hadith sagte Ibn Hajar, möge Allah sich seiner erbarmen: „Was er damit gemeint hat, am neunten Tag zu fasten, war nicht, dass er nur an diesem Tag fasten wollte, sondern ihn dem zehnten Tag hinzuzufügen, entweder, um auf der sicheren Seite zu sein oder um sich von den Juden und Christen zu unterscheiden, was wahrscheinlicher ist. Das können wir auch aus einigen anderen Berichten schließen, die Muslim überliefert hat.“ 


Das Fasten ausschließlich am Tag von Aschura

Scheikh al-Islam sagte: „Das Fasten am Tag von Aschura ist eine Wiedergutmachung für ein Jahr, und es ist nicht unbeliebt (makruh) nur an diesem Tag zu fasten...“ .

Im Tuhfat al-Muhtaaj von Ibn Hajar al-Haytami steht: „Es ist nichts Falsches ausschließlich an Aschura zu fasten.“ .


Fasten von Aschura wenn er auf einen Sonnabend oder Freitag fällt

Al-Tahaawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, erlaubte uns am Tag von Aschura zu fasten und drängte uns sogar dazu. Er sagte nicht, dass wir es unterlassen sollten, falls Aschura auf einen Sonnabend fällt. Das weist darauf hin, dass alle Tage der Woche eingeschlossen sind. Unserer Ansicht nach – und Allah weiß es am besten- wäre es sogar so, dass wir in diesem Falle (wenn es ein Verbot, am Sonnabend zu fasten, gäbe) diesen Tag nicht würdigen würden und uns des Essens, Trinkens und Geschlechtsverkehrs enthalten würden, wie die Juden. Denn wenn jemand am Sonnabend fastet ohne diesen Tag zu würdigen, und nicht weil es ein gesegneter Tag für die Juden ist, dann ist das nicht unbeliebt...“ 

Der Autor des al-Minhaj sagte: „`Es ist unbeliebt nur an einem Freitag zu fasten...` Aber es ist nicht länger unbeliebt, wenn du ihm noch einen Tag anfügst, so wird es in richtigen Hadithen berichtet. Eine Person darf aber nur an einem Freitag fasten, wenn ihr gewohntes Fasten auf den Freitag fällt, oder wenn es ein Fastentag für einen Schwur ist, oder wenn die Person ein Pflichtfasten nachholt, das steht auch in einem Hadith sahih."

Al-Schari sagt in Tuhfat al-Muhtaaj: „`..wenn es mit einem gewohnten Fasten zusammenfällt..` - das heißt, wenn die Person zum Beispiel alle drei Tage fastet und einer dieser Tage fällt auf einen Freitag. `..wenn es ein Fastentag für einen geleisteten Schwur ist, etc.` - die Erlaubnis gilt auch für das Fasten, das man laut Schari`a zu leisten hat, und es gilt für Aschura und den Tag von `Arafa." 

Al-Bahuti, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Es ist unbeliebt, sich nur den Sonnabend zum Fasten auszusuchen, laut dem Hadith von `Abd-Allah ibn Bischr, welcher von seiner Schwester berichtete: „Fastet nicht an einem Sonnabend, außer im Falle eines Pflichtfastens.“ . Außerdem ist das ein Tag, den die Juden ehren, also gleicht ihnen derjenige, der sich den Sonnabend als Fastentag aussucht....außer, wenn der Freitag oder Sonnabend auf einem Tag fallen, den die Muslime üblicherweise fasten, wenn z.B. der Tag von `Arafa oder Aschura auf einen Freitag oder Sonnabend fallen. Dann ist es nicht unbeliebt, denn die Gewohnheit eines Menschen hat schon einen gewissen Wert.“ 


Was ist zu tun, falls Unsicherheit über den Monatsbeginn besteht?

Ahmad sagte: „Falls über den Beginn des Monats Unsicherheit besteht sollte man drei Tage fasten, um sicher zu sein, am neunten und zehnten gefastet zu haben.“ .

Wenn jemand nicht sicher ist, wann der Muharram angefangen hat, so soll er davon ausgehen, dass der Dhul Hijja dreißig Tage hatte – was die Regel ist - und er soll am neunten und zehnten Tag fasten. Wenn er auch noch sicher sein möchte, am neunten Tag gefastet zu haben, so soll er den achten, neunten und zehnten Tag fasten (falls Dhul Hijja nur neunundzwanzig Tage hatte kann er sicher sein, Tasu`a und Aschura gefastet zu haben.)
Das Fasten an Aschura ist keine Pflicht, sondern wünschenswert, deshalb sind die Menschen auch nicht verpflichtet, die Sichtung des Neumondes von Muharram durchzuführen, wie es beim Ramadaan und Schawwal der Fall ist.


Wofür ist das Fasten an Aschura eine Wiedergutmachung?
 
Imam al-Nawawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „ Es macht alle kleinen Sünden wieder gut, d.h., es bringt Vergebung für alle Sünden außer den großen.“ Er fuhr fort: „Das Fasten am Tag von `Arafa bringt Vergebung für zwei Jahre, und das am Tag von Aschura für ein Jahr. Wenn jemand `Amin`sagt und dies mit dem `Amin`der Engel zusammentrifft, so sind ihm alle seine begangenen Sünden vergeben [...] All diese Dinge bringen Vergebung. Ist Wiedergutmachung für kleine Sünden notwendig, so wird diese Art von Wiedergutmachung akzeptiert. Wenn gar keine Sünden, kleine oder große, vorliegen, so werden dem Muslim zusätzliche gute Taten angeschrieben und er wird in seinem Rang erhöht [...] Hat jemand große Sünden begangen, aber keine kleinen, so hoffen wir darauf, dass ihm die großen Sünden etwas verringert werden.“ 
 
Scheikh al-Islam ibn Taymiya, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Rituelle Reinigung, Gebet und Fasten im Ramadaan, am Tag von `Arafa und an Aschura macht nur kleine Sünden wieder gut.“  


Sich zu sehr auf die Belohnung für das Fasten verlassen

Manche Leute täuschen sich, wenn sie sich zu sehr auf solche Sachen wie das Fasten am Tag von Arafa oder Aschura verlassen. Sie sagen sich `Fasten am Tag von Aschura macht ja meine Sünden für ein ganzes Jahr wieder gut und Fasten am Tag von Arafa bringt mir noch zusätzliche Belohnung`.

Ibn al-Qayyim sagt dazu: „Diese irregeleitete Person weiß nicht, dass das Fasten im Ramadaan und das fünfmalige Gebet am Tag viel wichtiger sind als die beiden Fastentage Aschura und Arafa. Das Fasten im Ramadaan hebt alle Sünden zwischen zwei Ramadaan auf, das Freitagsgebet alle Sünden zwischen zwei Freitagen, solange man keine großen Sünden begeht. Wenn man große Sünden begeht, werden auch die kleinen nicht aufgehoben.

Es gibt unter den irregeleiteten Leuten sicher einige, die glauben, ihre guten Taten überwögen ihre Sünden. Sie bemerken ihre schlechten Taten gar nicht oder denken nicht darüber nach. Ihre guten Taten machen sie sich aber bewußt und verlassen sich auf sie. So wie jemand, der Allahs Vergebung erwartet, weil er Allah preist und hundertmal am Tag `Subhanallah`sagt, aber dann lästert er über seine Brüder und beschmutzt ihre Ehre. Oder er spricht den ganzen Tag über Dinge, die Allah überhaupt nicht gefallen. Diese Leute erinnern sich immer an die Vorzüge der Lobpreisung Allahs, aber sie vernachlässigen die Aussagen über das Lästern, das Beschmutzen der Ehre, das Lügen und anderer Sünden, die wir mit der Zunge begehen können. Diese Leute sind vollkommen irregeleitet.“ 


Das Fasten an Aschura, wenn man noch Tage vom Ramadaan nachzuholen hat

Die Rechtsschulen unterscheiden sich in ihren Regelungen bezüglich des freiwilligen Fastens bevor man nachzuholende Tage gefastet hat.

Die Hanafiten sagen, freiwillige Fastentage vor dem Nachholen der Pflichtfastentage sind erlaubt; sie sind auch nicht unbeliebt, denn es ist nicht vorgeschrieben, verpasste Fastentage aus dem Ramadaan sofort nachzuholen.
Die Malikiten und Schafiiten sagen, es ist erlaubt, aber unbeliebt, denn es bedeutet, dass man eine Pflicht auf die lange Bank schiebt. Al-Dusuqi sagt: „Es ist unbeliebt, ein freiwilliges Fasten zu verrichten, wenn man noch ein Pflichtfasten zu erledigen hat, z.B. ein Fasten für einen Schwur, ein verpasstes Pflichfasten oder ein Fasten zur Wiedergutmachung (Kaffaara). Das gilt auch für freiwillige Fastentage, die in der Schari`a besonders hervorgehoben werden, wie Aschura oder der neunte Tag von Dhul Hijja. So ist die korrekteste Meinung.“

Die Hanbalis sagen, es ist verboten freiwillig zu fasten, bevor man alle verpassten Tage aus dem Ramadaan nachgeholt hat, und dass so ein Fastentag sogar ungültig sei, auch wenn noch reichlich Zeit ist, die Pflichtfastentage nachzuholen. Man muss dem Pflichtfasten den Vorrang geben bis man alle vollzogen hat.
Die Muslime sollten sich mit dem Nachholen verpasster Ramadaantage beeilen, dann können sie beruhigt auch den Tag von Arafa und Aschura fasten. Fastet jemand einen dieser beiden Tage mit der am Vorabend gefassten Absicht, ein Pflichtfasten nachzuholen, wird das sein verpasstes Fasten ausgleichen. Allahs Großzügigkeit ist unermesslich


Verbreitete Bid`a (Neuerungen) an Aschura

Scheikh al-Islam Ibn Taymiya wurde zu einigen Dingen befragt, welche die Muslime am Aschuratag tun, wie das Tragen von Kuhl, Ghusl machen, Henna auftragen, gegenseitiges Händeschütteln, Getreide kochen, Freude zeigen und so weiter. Ist eins dieser Dinger über den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, in authentischen Hadithen überliefert worden oder nicht? Wenn nicht, sind diese Dinge dann Bid`a? Gibt es eine Grundlage für das, was die andere Gruppe tut, wie Weinen und Jammern, absichtlich Dursten, Lob- und Klagelieder singen, exzessives Rezitieren und Zerreissen der Kleidung?

Seine Antwort war: „Gelobt sei Allah, der Herr der Welten. Nichts dergleichen wurde über den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, oder seine Gefährten in authentischen Hadithen überliefert. Kein Imam der Muslime fordert zu so etwas auf. Kein vertrauenswürdiger Gelehrter hat so etwas je erzählt, weder über den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, noch über die Sahaaba, noch über deren Nachfolger. Es steht weder in authentischen noch in schwachen Hadithen. Auch nicht in den wahren Büchern, der Sunna oder den Musnads. In den guten, ersten Generationen war soetwas nicht bekannt.
Später aber tauchten Hadithe auf, in denen stand: `Wer am Tag von Aschura Khul in seine Augen macht, wird das ganze Jahr keine Augenleiden bekommen, und wer an diesem Tag Ghusl macht, wird das ganze Jahr nicht krank.` Erzähler erfanden Hadithe und ordneten sie dem Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, zu, auch diesen: `Wer amTag von Aschura freigiebig zu seiner Familie ist, dem gegenüber ist Allah das ganze Jahr freigiebig.` Dem Propheten solche Sachen zuzuordnen gleicht einer Lüge über ihn.“

Ibn Taymiyah, möge Allah sich seiner erbarmen, geht dann kurz auf die Schwierigkeiten in den frühen Tagen der Ummah ein und auf die Ermordung Hussains, Allah Wohlgefallen auf ihm, und auf die Reaktion der verschiedenen Sekten darauf. Er sagte:

 „Eine unwissende, fehlgehende Gruppe – entweder Neuerer und Heuchler oder Fehlgeleitete – machte aus ihrer Verbundenheit zu ihm und seiner Familie eine Farce. Sie gestalteten den Tag mit Jammern und Wehklagen und vollzogen öffentlich Rituale aus der Zeit der Unwissenheit, wie das Nackenschlagen und Zerreissen der Kleider und lautes Geheule [...] der Satan machte den Irregeleiteten dies schmackhaft, so wurde der Tag Aschura für sie zum Tag des Jammerns, an dem sie weinen und wehklagen, todtraurige Gedichte vortragen und Geschichten voller Lügen erzählen. Auch wenn teilweise wahre Dinge in diesen Geschichten vorkommen, so dienen sie doch nur dazu, das Gefühl der Trauer und der Sektenangehörigkeit zu verstärken. Sie heizen den Hass und die Vorurteile gegenüber anderen Muslimen an, indem sie die, die früher gelebt haben, verfluchen [...]

Das Schlechte und der Schaden, den diese Leute den Muslimen antun, sind unermesslich. Andere – entweder Naasibis, die Hussain und seiner Familie feindlich gesonnen waren, oder dumme Leute, welche Übles mit Üblem, Korruption mit Korruption, Lügen mit Lügen oder Bid`a mit Bid`a bekämpfen wollten – setzten ihnen erfundene Berichte entgegen, die den Tag von Aschura zu einem Feiertag machten, an dem sie Kuhl und Henna auftrugen, ihren Kindern Geld schenkten, besondere Gerichte kochten und andere Dinge taten, die man zu Feiertagen zu tun pflegte. Diese Leute gestalteten den Tag von Aschura als Fest, wie Id, während die anderen es als Trauertag ansahen. Beide Auffassungen sind falsch und gegen die Sunna, wobei die Gruppe des Trauertages schlimmer ist in ihrer Absicht, ihrer Dummheit und ihrem Irrtum [...]

Weder der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, noch seine Nachfolger (die rechtschaffenen Kalifen) taten irgendetwas dieser Art am Tag von Aschura. Sie machten weder einen Trauer- noch einen Feiertag daraus [...]

Die anderen Dinge, also das Kochen spezieller Gerichte, mit oder ohne Getreide, das Anziehen neuer Kleider, Geldgeschenke an die Familie, Großeinkäufe, das Verrichten spezieller Gottesdienste wie besondere Gebete oder freiwilliges Schlachten, das Auftragen von Kuhl und Henna, Ghusl machen, gegenseitiges Händeschütteln, gegenseitige Besuche, Besuche der Moscheen und Gräber und so weiter [...] all das stellt eine Neuerung dar und ist falsch. Nichts davon hat mit der Sunna des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, zu tun oder mit dem Weg seiner Nachfolger. Kein Imam der Muslime hat dem jemals zugestimmt, nicht Malik, nicht al-Thauri, nicht al-Layth ibn Sa`d, nicht Abu Hanifa, nicht al-Auzaa`i, nicht al-Schaafi`i, nicht Ahmad ibn Hanbal, nicht Ishaaq ibn Raahauayh, kein einziger der Imame und Gelehrten der Muslime.“


Von
Muhammad Salih al-Munajjid
Aus dem Englischen übersetzt von: Somaya K. Lemcke
Überarbeitet von: Farouk Abu Anas
Quelle: islam-qa.com
Copyright des Originals: Islam Q&A 1997-2004 


Quellehttp://wegzumislam.com/

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