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Donnerstag, 9. Dezember 2010

Die Vorzüge des Monats Muharram und das Fasten am Tag 'Ashoora`

Die Vorzüge des Monats Muharram
und das Fasten am Tag 'Ashoora`


(Von Muhammad Salih al-Munajjid - محمد صالح المنجد)

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Inhaltsverzeichnis
- Die Vorzüge vermehrten freiwilligen Fastens im Monat Muharram
- ALLAH erwählt Zeiten und Orte nach Seinem Willen
- Aschura in der Geschichte
- Die Vorzüge des Fastens am Tag von Aschura
- Wann ist Aschura?
- Gründe, warum es wünschenswert ist, auch am Tasu`a zu fasten
- Das Fasten ausschließlich am Tag von Aschura
- Das Fasten am Tag von Aschura wenn er auf einen Sonnabend oder Freitag fällt
- Was ist zu tun, falls Unsicherheit über den Monatsbeginn besteht
- Wofür ist das Fasten an Aschura eine Wiedergutmachung?
- Sich zu sehr auf die Belohnung für das Fasten verlassen
- Das Fasten an Aschura, wenn man noch Tage vom Ramadaan nachzuholen hat
- Verbreitete Bid`a (Neuerungen) an Aschura


Die Vorzüge des heiligen Monats Muharram und des Fastens am Tag von Aschura

Allahs heiliger Monat Muharram ist ein gesegneter und wichtiger Monat. Er ist
der erste Monat des Hijri-Kalenders und ist einer der vier heiligen Monate, über die
Allah sagt:
„Die Anzahl der Monate bei Allah beträgt zwölf Monate nach der
Bestimmung Allahs seit dem Tag, als Er die Himmel und die Erde erschuf. Davon
sind vier geheiligt (unverletzlich). Dies ist das rechte Gesetz. Darum tut euch darin
nicht selbst Unrecht....“
[Sura 9:36]

Abu Bakr, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Prophet, Allahs
Segen und Heil auf ihm, sagte: „Das Jahr hat zwölf Monate, von denen vier heilig
sind, die drei aufeinander folgenden Monate Dhul Qi`da, Dhul Hijja und Muharram,
und Rajab Mudar, welcher zwischen Jumaada und Scha`baan liegt.“
(al-Bukhari, 2958)

Muharram wurde so genannt, um seine Heiligkeit zu bekräftigen und da er ein
gesegneter Monat (=muharram) ist. Allahs Worte „...Darum tut euch darin nicht
selbst Unrecht. ...“
bedeuten, dass das Sündigen in diesen Monaten noch schlimmer
ist, als in den anderen Monaten.


Es wurde berichtet, dass Ibn Abbaas sagte, dieser Satz Allahs gelte für jeden Monat,
aber diese vier Monate wurden besonders hervorgehoben und geheiligt, so dass
Sünden in diesen Monaten besonders schwer wiegen, während gute Taten größere
Belohnung bringen.

Qataada sagte bezüglich dieses Satzes, dass Fehlverhalten während der heiligen
Monate ernster und sündiger sei als zu irgendeiner anderen Zeit. Fehlverhalten ist
immer eine ernste Sache, aber Allah gibt Seinen Befehlen das Gewicht nach Seinem
Ermessen. Allah hat bestimmte Dinge Seiner Schöpfung besonders erwählt. Er hat
unter den Engeln und unter den Menschen Botschafter erwählt. Von allem Gesagtem
hat Er das Gedenken an Ihn auserwählt (Dhikr). Er erwählte von der Erde die
Moscheen, von den Monaten den Ramadaan und die heiligen Monate, von den
Tagen den Freitag und von den Nächten die Nacht der Bestimmung (Laylat-ul-
Qadr)
. So würdigt, was Allah uns zu würdigen befohlen hat. Menschen mit Verstand
und Weisheit würdigen, was Allah uns zu bewundern befohlen hat.
(zusammengefasst aus Tafsir von Ibn Kathir Sura 9:36)



Die Vorzüge vermehrten freiwilligen Fastens im Monat Muharram


Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs
Segen und Heil auf ihm, sagte: `Das beste Fasten nach dem Ramadaan ist das Fasten
in Allahs Monat Muharram.`“
(Muslim, 1982)

Der Ausdruck `Allahs Monat` betont noch einmal die Wichtigkeit dieses Monats. Al-
Qaari sagte: „ Offensichtlich ist damit der ganze Monat Muharram gemeint.“ Es ist
aber bewiesen, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, niemals einen
ganzen Monat lang gefastet hat, abgesehen vom Ramadaan. So soll dieser Hadith
eher dazu auffordern, während des Monats Muharram öfter zu fasten als sonst, aber
nicht während des gesamten Monats.


Es wird überliefert, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, am meisten im
Monat Scha´baan gefastet hat. Deshalb ist es anzunehmen, dass die Offenbarung
über den Wert des Monats Muharram erst kurz vor seinem Lebensende zu ihm kam,
so dass er nicht mehr in der Lage war, in diesem Monat zu fasten.
(Scharh al-Nawawi `ala Sahih Muslim)



Allah erwählt Zeiten und Orte nach Seinem Willen

Al-`Izz ibn `Abd al-Salaam, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Zeiten und
Orte können auf zweierlei Arten einen bevorzugten Rang haben, in weltlicher
Hinsicht oder in religiöser / spiritueller Hinsicht. Bezüglich des Letzteren ist es so,
dass Allah uns seine Großzügigkeit zukommen lässt, indem Er uns für gute Taten
eine besonders große Belohnung zukommen lässt, wie zum Beispiel die besondere
Belohnung für das Fasten im Ramadaan verglichen mit dem Fasten zu anderen
Zeiten. Genauso ist es mit dem Fasten am Tag von Aschura, dessen Wert wir
Allahs Großzügigkeit und Freundlichkeit gegenüber Seinen Dienern
verdanken. ...“ (Qawaa`id al-Ahkaam, 1/38)



Aschura in der Geschichte

Ibn `Abbas, Allahs Wohlgefallen auf ihm, sagte:
„Der Prophet, Allahs Segen und Heil
auf ihm, kam nach Medina und sah die Juden am Tag von Aschura fasten. Er fragte:
`Warum tut ihr das?` Sie antworteten: `Dies ist ein guter Tag, es ist der Tag, an dem
Allah die Kinder Israels vor ihren Feinden rettete, deshalb fastete Musa an diesem
Tag.` Er sagte: ` Wir haben mehr Anrecht auf Musa als ihr,` so fastete er an diesem
Tag und wies die Muslime an, an diesem Tag zu fasten.“

(al-Bukhari, 1865)

In einem Bericht, den Muslim überlieferte, heißt es, die Juden sagten:
„Dies ist ein großer Tag, an welchem Allah Musa und sein Volk gerettet hat und Pharao und
dessen Volk ertrinken ließ.“

„Musa fastete an diesem Tag“,


dazu heißt es in einem anderen Hadith, den Muslim überlieferte:
„...aus Dankbarkeit gegenüber Allah, deshalb fasten wir an diesem Tag.“

In einer anderen Überlieferung von al-Bukhari heißt es:
„...so fasten wir an diesem Tag um ihn zu würdigen.“

In einer von Imam Ahmad überlieferten Version steht zusätzlich:
Dies ist der Tag, an dem die Arche auf dem Berg Judi landete, so fastete Nuh an
diesem Tag aus Dankbarkeit.“ „...und wies die Muslime an an diesem Tag zu fasten,“


heißt es in einem anderen Hadith, überliefert von al-Bukhari:
„Er sagte zu seinen Gefährten: `Ihr habt mehr Anrecht auf Musa als sie, also fastet an jenem Tag.`“


Das Fasten am Tag von Aschura war schon in der Zeit der Jaahilijja bekannt, vor der
Sendung des Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm. Es wird berichtet, dass
A`ischa, Allahs Wohlgefallen auf ihr, sagte:

„Die Leute der Jaahilijja fasteten gewöhnlich an diesem Tag...“


Al-Qurtubi sagte: „Vielleicht fasteten die Quraisch an jenem Tag aufgrund eines
früheren Gesetzes, zum Beispiel das von Ibrahim, Allahs Friede auf ihm.“


Außerdem ist bekannt, dass der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, schon in
Mekka am Tag von Aschura gefastet hat, bevor er nach Medina ausgewandert ist.
Als er nach Medina auswanderte, sah er die Juden diesen Tag feiern, er fragte sie
nach dem Grund und sie antworteten wie in dem obigen Hadith beschrieben. Er
wies die Muslime an, sich von den Juden zu unterscheiden, die den Tag als Feiertag
gestalteten. Dies wird in dem Hadith von Abu Musa, Allahs Wohlgefallen auf ihm,
berichtet: „Für die Juden war der Tag von Aschura ein Feiertag.

[nach einer Überlieferung von Muslim: der Tag von Aschura wurde von den Juden in Form eines
Feiertages gewürdigt.
Nach einem anderen Bericht, ebenfalls von Muslim überliefert:
die Menschen von Khaybar (die Juden) gestalteten es als Feiertag und ihre Frauen
trugen an jenem Tag ihren Schmuck und ihre Symbole
]

Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: `
Ihr sollt an jenem Tag fasten.`“ (al-Bukhari)

Das Fasten am Tag von Aschura war ein Schritt im Prozess, das Fasten als
vorgeschriebene Verpflichtung in den Islam einzuführen. Fasten erschien in drei
Formen. Als der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, nach Medina kam,
hielt er die Muslime dazu an, an drei Tagen jeden Monats zu fasten und am Tag von
Aschura. Dann machte Allah das Fasten zur Verpflichtung, indem Er sagte: „...das
Fasten ist euch vorgeschrieben...“
[Sura 2:183].

Die Verpflichtung wurde vom Fasten am Tag von Aschura auf das Fasten im
Ramadaan übertragen. Dies ist ein Beweis aus dem Bereich des Usul al-Fiqh, dass es
möglich ist eine leichtere Pflicht aufzuheben, indem sie durch eine schwerere ersetzt
wird.

Bevor die Pflicht zum Fasten am Tag von Aschura aufgehoben wurde, war sie also
eine wirkliche Pflicht. Das wird ganz deutlich aus der Anweisung Muhammads,
Allahs Segen und Heil auf ihm. Sie wurde auch noch dadurch bestätigt, dass der
Befehl, an diesem Tag zu fasten, eine allgemeine Anweisung und an alle Muslime
gerichtet war. Eine weitere Bestätigung erhielt diese Pflicht dadurch, dass sogar
Mütter angewiesen wurden, ihre Säuglinge an diesem Tag nicht zu stillen. Ibn
Masud berichtet, dass das Fasten am Tag von Aschura aufgehoben wurde, als das
Fasten im Ramadaan zur Pflicht wurde. Es war dananch keine Pflicht mehr, an
diesem Tag zu fasten, aber es ist immer noch sehr wünschenswert (mustahabb).



Die Vorzüge des Fastens am Tag von Aschura


Ibn `Abbaas, Allahs Wohlgefallen auf ihnen beiden, sagte:
„Ich habe den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, an keinem anderen Tag so
versessen aufs Fasten gesehen wie an diesem Tag, und er hat keinen Tag mehr bevorzugt
als diesen Tag, den Tag von Aschura und diesen Monat, den Monat Ramadaan.“

(al-Bukhari, 1867)

Die Bedeutung dieses „versessen sein“ ist, dass er bestrebt war, an jenem Tag zu
fasten, um die Belohnung dafür zu bekommen.

Der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte:
„Das Fasten am Tag von Aschura, so hoffe ich, wird Allah als
Wiedergutmachung für das vergangene Jahr akzeptieren.“

(Muslim, 1976)


Das ist Allahs Großzügigkeit: für einen gefasteten Tag vergibt Er uns die Sünden
eines ganzen Jahres. Und Allah besitzt die größte Großzügigkeit.




Wann ist Aschura?

An-Nawawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Aschura und Tasu`a sind laut
Büchern über die Arabische Sprache zwei verlängerte Namen, die Vokale werden
lang ausgesprochen. Unsere Gefährten sagten: Aschura ist der zehnte Tag des
Monats Muharram und Tasu`a ist der neunte Tag. Das ist unsere Meinung und die
der Mehrheit der Gelehrten. Das geht aus dem Hadith offensichtlich hervor und
so verstehen wir ihn. Uns so verstehen ihn auch üblicherweise die
Sprachgelehrten.“
(al-Majmu')

Aschura ist ein islamischer Name und war zur Zeit der Jahiliyya unbekannt.
(Kashshaf al- Qinaa`, Teil 2, Fasten im Muharram)

Ibn Qudaamah, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Aschura ist der zehnte Tag
des Monats Muharram. Das ist die Meinung von Said ibn al- Musayyb und al-
Hasan. Ibn Abbas berichtete: „Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm,
wies uns an, am Tag von Aschura zu fasten, dem zehnten Tag im Monat
Muharram.“
(Tirmidhi, hasan)

Es wird berichtet, dass Ibn Abbas gesagt hat: der neunte, und dass der Prophet,
Allahs Segen und Heil auf ihm, üblicherweise am Neunten fastete.
(Muslim)

`Ataa` berichtet, dass er gesagt habe: „Fastet den Neunten und den Zehnten und seid
nicht wie die Juden.“


Auf dieser Grundlage können wir sagen, dass es sehr
wünschenswert ist, am Neunten und am Zehnten zu fasten.

(Das sagen Ahmad und Ishaaq.)

Dass es wünschenswert ist an Tasu`a und an Aschura zu fasten sagt auch Abd-Allah
ibn Abbas, Allahs Wohlgefallen auf ihnen beiden: „Als der Gesandte Allahs, Allahs
Segen und Heil auf ihm, am Tag von Aschura fastete und die Muslime aufrief, es
ebenfalls zu tun, sagten sie: `Oh Gesandter Allahs, es ist der Tag, den die Juden und
die Christen würdigen.` Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm,
erwiderte: `Wenn ich das nächste Jahr noch erlebe, so Allah will, werden wir am
neunten Tag fasten.` Aber es geschah, dass der Gesandte Allahs, Allahs Segen und
Heil auf ihm, noch vor dem nächsten Jahr starb.“
(Muslim, 1916)

Al-Schafi`i und seine Gefährten, Ahmad und Ishaaq, sagten: „Es ist wünschenswert
an beiden Tagen, dem neunten und dem zehnten, zu fasten, weil der Prophet,
Allahs Segen und Heil auf ihm, am Zehnten fastete und vorhatte, auch am
Neunten zu fasten.“


So kann man sagen, dass es für das Aschura-Fasten verschiedene Grade gibt. Der
geringste ist, nur am zehnten Tag zu fasten und der höchste ist, auch am neunten
Tag zu fasten. Je mehr man im Muharram fastet, umso besser.



Gründe, warum es wünschenswert ist, auch am Tasu`a zu fasten

An-Nawawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Die Gelehrten – unsere
Gefährten und andere – geben mehrere Gründe dafür an, dass das Fasten an
Tasu`a wünschenswert ist:
    1. Die Absicht sich von den Juden zu unterscheiden, die nur den zehnten Tag würdigen. Diese Meinung wurde von Ibn Abbas überliefert.
    2. Die Absicht, dem Fasten von Aschura noch einen Tag hinzuzufügen, vergleichbar mit dem Verbot, allein an einem Freitag zu fasten, was al-Khatabi und andere anmerkten.
    3. Um auf der sicheren Seite zu sein, dass man auch wirklich am zehnten Muharram fastet, falls es einen Irrtum bei der Mondsichtung am Monatsanfang gegeben hat und der Neunte in Wirklichkeit schon der Zehnte ist.“

Der stärkste dieser Gründe ist der, sich von den Leuten der Schrift zu unterscheiden.

Scheik al-Islam ibn Taymiya, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Der Prophet,
Allahs Segen und Heil auf ihm, verbot das Nachahmen der Leute der Schrift in
zahlreichen Hadithen, wie zum Beispiel mit der Aussage: `Wenn ich das nächste
Jahr noch erlebe, so Allah will, werden wir am neunten Tag fasten.`“

(Al-Fatawa al-Kubra, Teil 6, Sadd al-Dharaa`i al-Mufdiya ila`l-Mahaarim)

In seinem Kommentar zu diesem Hadith sagte Ibn Hajar, möge Allah sich seiner
erbarmen: „Was er damit gemeint hat, am neunten Tag zu fasten, war nicht, dass er
nur an diesem Tag fasten wollte, sondern ihn dem zehnten Tag hinzuzufügen,
entweder, um auf der sicheren Seite zu sein oder um sich von den Juden und
Christen zu unterscheiden, was wahrscheinlicher ist. Das können wir auch aus
einigen anderen Berichten schließen, die Muslim überliefert hat.“
(Fath, 4/245)



Das Fasten ausschließlich am Tag von Aschura


Scheikh al-Islam sagte: „Das Fasten am Tag von Aschura ist eine
Wiedergutmachung für ein Jahr, und es ist nicht unbeliebt (makruh) nur an
diesem Tag zu fasten...“
(Al-Fatawa al-Kubra, Teil 5)
Im Tuhfat al-Muhtaaj von Ibn Hajar al-Haytami steht: „Es ist nichts Falsches
ausschließlich an Aschura zu fasten.“ (Teil 3, Baab Saum al-Tatawwu`)



Fasten von Aschura wenn er auf einen Sonnabend oder Freitag fällt
Al-Tahaawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Der Gesandte Allahs, Allahs
Segen und Heil auf ihm, erlaubte uns am Tag von Aschura zu fasten und drängte
uns sogar dazu. Er sagte nicht, dass wir es unterlassen sollten, falls Aschura auf
einen Sonnabend fällt. Das weist darauf hin, dass alle Tage der Woche
eingeschlossen sind. Unserer Ansicht nach – und Allah weiß es am besten- wäre es
sogar so, dass wir in diesem Falle (wenn es ein Verbot, am Sonnabend zu fasten,
gäbe) diesen Tag nicht würdigen würden und uns des Essens, Trinkens und
Geschlechtsverkehrs enthalten würden, wie die Juden. Denn wenn jemand am
Sonnabend fastet ohne diesen Tag zu würdigen, und nicht weil es ein gesegneter
Tag für die Juden ist, dann ist das nicht unbeliebt...“

(Muschkil al-Aathaar, Teil 2, Baab Saum Yaum al-Sabt)

Der Autor des al-Minhaj sagte: „`Es ist unbeliebt nur an einem Freitag zu fasten...`
Aber es ist nicht länger unbeliebt, wenn du ihm noch einen Tag anfügst, so wird
es in richtigen Hadithen berichtet. Eine Person darf aber nur an einem Freitag
fasten, wenn ihr gewohntes Fasten auf den Freitag fällt, oder wenn es ein
Fastentag für einen Schwur ist, oder wenn die Person ein Pflichtfasten nachholt,
das steht auch in einem Hadith sahih."


Al-Schari sagt in Tuhfat al-Muhtaaj: „`..wenn es mit einem gewohnten Fasten
zusammenfällt..` - das heißt, wenn die Person zum Beispiel alle drei Tage fastet
und einer dieser Tage fällt auf einen Freitag. `..wenn es ein Fastentag für einen
geleisteten Schwur ist, etc.` - die Erlaubnis gilt auch für das Fasten, das man laut
Schari`a zu leisten hat, und es gilt für Aschura und den Tag von `Arafa."20
Al-Bahuti, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Es ist unbeliebt, sich nur den
Sonnabend zum Fasten auszusuchen, laut dem Hadith von `Abd-Allah ibn Bischr,
welcher von seiner Schwester berichtete: „Fastet nicht an einem Sonnabend,
außer im Falle eines Pflichtfastens.“
(Ahmad).

Außerdem ist das ein Tag, den die Juden ehren, also gleicht ihnen derjenige, der sich den
Sonnabend als Fastentag aussucht....außer, wenn der Freitag oder Sonnabend auf einem
Tag fallen, den die Muslime üblicherweise fasten, wenn z.B. der Tag von `Arafa oder Aschura
auf einen Freitag oder Sonnabend fallen. Dann ist es nicht unbeliebt, denn die
Gewohnheit eines Menschen hat schon einen gewissen Wert.“
(Kashshaaf al-Qinaa`, Teil 2, Baab Saum al-Tatawwu`)



Was ist zu tun, falls Unsicherheit über den Monatsbeginn besteht?

Ahmad sagte: „Falls über den Beginn des Monats Unsicherheit besteht sollte man
drei Tage fasten, um sicher zu sein, am neunten und zehnten gefastet zu haben.“

(Al-Mughni von Ibn Qudaama, Teil 3, - al-Siyaam- Siyaam Aschura)

Wenn jemand nicht sicher ist, wann der Muharram angefangen hat, so soll er davon
ausgehen, dass der Dhul Hijja dreißig Tage hatte – was die Regel ist - und er soll am
neunten und zehnten Tag fasten. Wenn er auch noch sicher sein möchte, am neunten
Tag gefastet zu haben, so soll er den achten, neunten und zehnten Tag fasten (falls
Dhul Hijja nur neunundzwanzig Tage hatte kann er sicher sein, Tasu`a und Aschura
gefastet zu haben).

Das Fasten an Aschura ist keine Pflicht, sondern wünschenswert, deshalb sind die
Menschen auch nicht verpflichtet, die Sichtung des Neumondes von Muharram
durchzuführen, wie es beim Ramadaan und Schawwal der Fall ist.



Wofür ist das Fasten an Aschura eine Wiedergutmachung?

Imam al-Nawawi, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte:„ Es macht alle kleinen
Sünden wieder gut, d.h., es bringt Vergebung für alle Sünden außer den großen.“
Er fuhr fort: „Das Fasten am Tag von `Arafa bringt Vergebung für zwei Jahre, und
das am Tag von Aschura für ein Jahr. Wenn jemand `Amin`sagt und dies mit dem
`Amin`der Engel zusammentrifft, so sind ihm alle seine begangenen Sünden
vergeben [...] All diese Dinge bringen Vergebung. Ist Wiedergutmachung für
kleine Sünden notwendig, so wird diese Art von Wiedergutmachung akzeptiert.
Wenn gar keine Sünden, kleine oder große, vorliegen, so werden dem Muslim
zusätzliche gute Taten angeschrieben und er wird in seinem Rang erhöht [...] Hat
jemand große Sünden begangen, aber keine kleinen, so hoffen wir darauf, dass
ihm die großen Sünden etwas verringert werden.“

(Al-Majmu` Scharh al-Muhadhdhab, Teil 6, Saum Yaum `Arafa)

Scheikh al-Islam ibn Taymiya, möge Allah sich seiner erbarmen, sagte: „Rituelle
Reinigung, Gebet und Fasten im Ramadaan, am Tag von `Arafa und an Aschura
macht nur kleine Sünden wieder gut.“
(al-Fatawa al-Kubra, Teil 5)



Sich zu sehr auf die Belohnung für das Fasten verlassen

Manche Leute täuschen sich, wenn sie sich zu sehr auf solche Sachen wie das Fasten
am Tag von Arafa oder Aschura verlassen. Sie sagen sich `Fasten am Tag von
Aschura macht ja meine Sünden für ein ganzes Jahr wieder gut und Fasten am Tag
von Arafa bringt mir noch zusätzliche Belohnung`.

Ibn al-Qayyim sagt dazu: „Diese irregeleitete Person weiß nicht, dass das Fasten im
Ramadaan und das fünfmalige Gebet am Tag viel wichtiger sind als die beiden
Fastentage Aschura und Arafa. Das Fasten im Ramadaan hebt alle Sünden
zwischen zwei Ramadaan auf, das Freitagsgebet alle Sünden zwischen zwei
Freitagen, solange man keine großen Sünden begeht. Wenn man große Sünden
begeht, werden auch die kleinen nicht aufgehoben.

Es gibt unter den irregeleiteten Leuten sicher einige, die glauben, ihre guten Taten
überwögen ihre Sünden. Sie bemerken ihre schlechten Taten gar nicht oder
denken nicht darüber nach. Ihre guten Taten machen sie sich aber bewußt und
verlassen sich auf sie. So wie jemand, der Allahs Vergebung erwartet, weil er
Allah preist und hundertmal am Tag `Subhanallah`sagt, aber dann lästert er über
seine Brüder und beschmutzt ihre Ehre. Oder er spricht den ganzen Tag über
Dinge, die Allah überhaupt nicht gefallen. Diese Leute erinnern sich immer an die
Vorzüge der Lobpreisung Allahs, aber sie vernachlässigen die Aussagen über das
Lästern, das Beschmutzen der Ehre, das Lügen und anderer Sünden, die wir mit
der Zunge begehen können. Diese Leute sind vollkommen irregeleitet.“

(Al-Mausu`ah al-Fiqhiyyah, Teil 31, Ghuruur)



Das Fasten an Aschura, wenn man noch Tage vom Ramadaan nachzuholen hat


Die Rechtsschulen unterscheiden sich in ihren Regelungen bezüglich des freiwilligen
Fastens bevor man nachzuholende Tage gefastet hat.

Die Hanafiten sagen, freiwillige Fastentage vor dem Nachholen der Pflichtfastentage
sind erlaubt; sie sind auch nicht unbeliebt, denn es ist nicht vorgeschrieben,
verpasste Fastentage aus dem Ramadaan sofort nachzuholen.

Die Malikiten und Schafiiten sagen, es ist erlaubt, aber unbeliebt, denn es bedeutet,
dass man eine Pflicht auf die lange Bank schiebt. Al-Dusuqi sagt: „Es ist unbeliebt,
ein freiwilliges Fasten zu verrichten, wenn man noch ein Pflichtfasten zu
erledigen hat, z.B. ein Fasten für einen Schwur, ein verpasstes Pflichfasten oder
ein Fasten zur Wiedergutmachung (Kaffaara). Das gilt auch für freiwillige
Fastentage, die in der Schari`a besonders hervorgehoben werden, wie Aschura
oder der neunte Tag von Dhul Hijja. So ist die korrekteste Meinung.“


Die Hanbalis sagen, es ist verboten freiwillig zu fasten, bevor man alle verpassten
Tage aus dem Ramadaan nachgeholt hat, und dass so ein Fastentag sogar ungültig
sei, auch wenn noch reichlich Zeit ist, die Pflichtfastentage nachzuholen. Man muss
dem Pflichtfasten den Vorrang geben bis man alle vollzogen hat.
(Al-Mawsu`ah al-Fiqhiyyah, Teil 28, Saum al-Tatawwu)

Die Muslime sollten sich mit dem Nachholen verpasster Ramadaantage beeilen,
dann können sie beruhigt auch den Tag von Arafa und Aschura fasten. Fastet
jemand einen dieser beiden Tage mit der am Vorabend gefassten Absicht, ein
Pflichtfasten nachzuholen, wird das sein verpasstes Fasten ausgleichen. Allahs
Großzügigkeit ist unermesslich.

!!! Verbreitete Bid`a (Neuerungen) an Aschura!!!

Scheikh al-Islam Ibn Taymiya wurde zu einigen Dingen befragt, welche die Muslime
am Aschuratag tun, wie das Tragen von Kuhl, Ghusl machen, Henna auftragen,
gegenseitiges Händeschütteln, Getreide kochen, Freude zeigen und so weiter. Ist eins
dieser Dinger über den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, in authentischen
Hadithen überliefert worden oder nicht? Wenn nicht, sind diese Dinge dann Bid`a?
Gibt es eine Grundlage für das, was die andere Gruppe tut, wie Weinen und
Jammern, absichtlich Dursten, Lob- und Klagelieder singen, exzessives Rezitieren
und Zerreissen der Kleidung?

Seine Antwort war: „Gelobt sei Allah, der Herr der Welten. Nichts dergleichen
wurde über den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, oder seine Gefährten
in authentischen Hadithen überliefert. Kein Imam der Muslime fordert zu so
etwas auf. Kein vertrauenswürdiger Gelehrter hat so etwas je erzählt, weder über
den Propheten, Allahs Segen und Heil auf ihm, noch über die Sahaaba, noch über
deren Nachfolger. Es steht weder in authentischen noch in schwachen Hadithen.
Auch nicht in den wahren Büchern, der Sunna oder den Musnads. In den guten,
ersten Generationen war soetwas nicht bekannt.

Später aber tauchten Hadithe auf, in denen stand: `Wer am Tag von Aschura Khul
in seine Augen macht, wird das ganze Jahr keine Augenleiden bekommen, und
wer an diesem Tag Ghusl macht, wird das ganze Jahr nicht krank.` Erzähler
erfanden Hadithe und ordneten sie dem Propheten, Allahs Segen und Heil auf
ihm, zu, auch diesen: `Wer amTag von Aschura freigiebig zu seiner Familie ist,
dem gegenüber ist Allah das ganze Jahr freigiebig.` Dem Propheten solche Sachen
zuzuordnen gleicht einer Lüge über ihn.“

Ibn Taymiyah, möge Allah sich seiner erbarmen, geht dann kurz auf die
Schwierigkeiten in den frühen Tagen der Ummah ein und auf die Ermordung
Hussains, Allah Wohlgefallen auf ihm, und auf die Reaktion der verschiedenen
Sekten darauf. Er sagte:

„Eine unwissende, fehlgehende Gruppe – entweder Neuerer und Heuchler oder
Fehlgeleitete – machte aus ihrer Verbundenheit zu ihm und seiner Familie eine
Farce. Sie gestalteten den Tag mit Jammern und Wehklagen und vollzogen öffentlich
Rituale aus der Zeit der Unwissenheit, wie das Nackenschlagen und Zerreissen der
Kleider und lautes Geheule [...] der Satan machte den Irregeleiteten dies schmackhaft,
so wurde der Tag Aschura für sie zum Tag des Jammerns, an dem sie weinen und
wehklagen, todtraurige Gedichte vortragen und Geschichten voller Lügen erzählen.
Auch wenn teilweise wahre Dinge in diesen Geschichten vorkommen, so dienen sie
doch nur dazu, das Gefühl der Trauer und der Sektenangehörigkeit zu verstärken.
Sie heizen den Hass und die Vorurteile gegenüber anderen Muslimen an, indem sie die,
die früher gelebt haben, verfluchen [...]

Das Schlechte und der Schaden, den diese Leute den Muslimen antun, sind
unermesslich. Andere – entweder Naasibis, die Hussain und seiner Familie
feindlich gesonnen waren, oder dumme Leute, welche Übles mit Üblem,
Korruption mit Korruption, Lügen mit Lügen oder Bid`a mit Bid`a bekämpfen
wollten – setzten ihnen erfundene Berichte entgegen, die den Tag von Aschura zu
einem Feiertag machten, an dem sie Kuhl und Henna auftrugen, ihren Kindern
Geld schenkten, besondere Gerichte kochten und andere Dinge taten, die man zu
Feiertagen zu tun pflegte. Diese Leute gestalteten den Tag von Aschura als Fest,
wie Id, während die anderen es als Trauertag ansahen. Beide Auffassungen sind
falsch und gegen die Sunna, wobei die Gruppe des Trauertages schlimmer ist in
ihrer Absicht, ihrer Dummheit und ihrem Irrtum [...]

Weder der Prophet, Allahs Segen und Heil auf ihm, noch seine Nachfolger (die
rechtschaffenen Kalifen) taten irgendetwas dieser Art am Tag von Aschura. Sie
machten weder einen Trauer- noch einen Feiertag daraus [...]

Die anderen Dinge, also das Kochen spezieller Gerichte, mit oder ohne Getreide,
das Anziehen neuer Kleider, Geldgeschenke an die Familie, Großeinkäufe, das
Verrichten spezieller Gottesdienste wie besondere Gebete oder freiwilliges
Schlachten, das Auftragen von Kuhl und Henna, Ghusl machen, gegenseitiges
Händeschütteln, gegenseitige Besuche, Besuche der Moscheen und Gräber und so
weiter [...] all das stellt eine Neuerung dar und ist falsch. Nichts davon hat mit der
Sunna des Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, zu tun oder mit dem
Weg seiner Nachfolger. Kein Imam der Muslime hat dem jemals zugestimmt,
nicht Malik, nicht al-Thauri, nicht al-Layth ibn Sa`d, nicht Abu Hanifa, nicht al-
Auzaa`i, nicht al-Schaafi`i, nicht Ahmad ibn Hanbal, nicht Ishaaq ibn Raahauayh,
kein einziger der Imame und Gelehrten der Muslime.“
(Al-Fataawa al-Kubra von Ibn Taymiyah)



Quelle: http://www.salaf.de
Copyright des Originals: Islam Q&A 1997-2004
Übersetzt von: Somaya K. Lemcke
Überarbeitet von: Farouk Abu Anas
http://www.islamhouse.com
Der Islam für Alle zugänglich!

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